Vortrag zum 200. Geburtstag von Philipp von Nathusius (1815-1872) - ESN mit neuer Veranstaltungsreihe

Jochen von Nathusius bei seinem Vortrag im Betsaal der Evangelischen Stiftung Neinstedt: Foto: ESN

Aus Anlass des  200. Geburtstages von Philipp Nathusius lud die Evangelische Stiftung Neinstedt am vergangenen Freitag zu einem öffentlichen Vortragsabend ein. Jochen Engelhard von Nathusius erinnerte hierbei an die bewegten Lebensjahre des Kaufmannsohnes, der 1850 die Einrichtung gründete, die heute als Evangelische Stiftung Neinstedt über unsere Grenzen bekannt ist.

Jochen von Nathusisu legte bei seinem Vortrag den Schwerpunkt auf den jungen, relativ unbekannten Philipp, der am 5. November 1815 in Althaldensleben das Licht der Welt erblickte. Zu diesem Zeitpunkt  war sein Vater Johann Gottlob Nathusius gerade dabei, einen der ersten Agrar-Industrie-Konzerne Deutschlands aufzubauen und die Keramikindustrie Haldenslebens zu begründen. Zwanzig Jahre später starb der Industriepionier, Philipp wurde von der Erbengemeinschaft mit der Verwaltung der Güter und Gewerbebetriebe beauftragt.

Im Sinne der Aufklärung kirchenfern erzogen, hatte er das liberale Gedankengut seines Vaters weitgehend übernommen. Dazu kam das Interesse an schöngeistiger Literatur, was ab 1835 zu Begegnungen mit Literaten wie Bettina von Arnim, Gottfried Kinkel, Emanuel Geibel und Hoffmann von Fallersleben führte. Nachdem Philipp 1839 die Pastorentochter Marie Scheele kennengelernt und bald darauf geheiratet hatte, geriet er mehr und mehr unter den Einfluss des pietistischen Christentums.

Ereignisse des Revolutionsjahres 1848 führte dann zu seiner endgültigen Hinwendung zum preußischen Konservativismus und zum Weggang aus Althaldensleben.  Die Gründung der "Neinstedter Anstalten" im Jahr 1850 bildete daher eine konsequente Weiterführung dieser Entwicklung.

Der Archivar Jochen von Nathusius gilt aufgrund mehrerer Aspekte als derjenige, der die Familiengeschichte der von Nathusius am Besten aufgearbeitet hat: So verfügt er aufgrund seiner Ausbildung auch einerseits  das methodische Instrumentarium, um sich wissenschaftlich mit der Geschichte der Familie zu befassen, die bis heute unsere Region prägt.  Zudem dürfte er als Mitglied dieses Familienverbandes auch leicht Zugang zu familieneigenen Archivalien haben, so der Sprecher der Neinstedter Stiftung, Christian Mühldorfer-Vogt.

Mit dem Vortrag über Philipp von Nathusius leitet die Evangelische Stiftung "Neinstedt kreuz und quer" ein, eine Veranstaltungsreihe, in der im dreimonatigen Abstand aktuelle Vorträge zu geschichtlich-politischen, pädagogischen und theologischen Themen angeboten werden. Die nächste Veranstaltung findet Mitte Februar 2016 statt, in deren Mittelpunkt stehen wirtschaftsethische Fragestellungen der globalen Finanzkrise. Die Neinstedter Stiftung komme mit diesen Veranstaltungen auch ihrer gesamtgesellschaftlichen Pflicht nach, so Mühldorfer-Vogt weiter.

 

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